REPORT

CineFest 2005 FilmEuropa Babylon CineFest 2005

Aprilscherz im November

Zweites CineFest eröffnet mit Preisverleihung
und Carola-Höhn-Film APRIL, APRIL!

Festival-Thema diesmal: Mehrsprachenversionen
der 1930er Jahre in Europa




"Im Filmprogramm wird natürlich auch wieder unseren hamburgischen Filmgöttern gehuldigt", gestand Hans-Michael Bock (Bild unten) in seiner Eröffnungsrede, und der Leiter und spiritus rector des vor einem Jahr aus der Taufe gehobenen CineFests meinte damit vor allem die in Hamburg geborenen "Filmgötter" Reinhold Schünzel und Sigi Arno, deren Namen sich durch die ganze Geschichte der filmhistorischen Kongresse ziehen, die das Hamburgische Centrum für Filmforschung CineGraph seit siebzehn Jahren jeweils im November veranstaltet. Und auch der Regisseur des diesjährigen Eröffnungsfilms war ein Hamburger: Detlef Sierck, später als Douglas Sirk in Hollywood zu Weltruhm gelangt, wurde 1897 in Eimsbüttel geboren und drehte 1935 seinen ersten Spielfilm APRIL, APRIL!, der bei der CineFest-Eröffnung unversehens zu einer Hommage an die Hauptdarstellerin Carola Höhn wurde, die vor wenigen Tagen im Alter von 95 Jahren verstorben war. Die turbulente Verwechslungskomödie um einen Prinzen, einen Nudelfabrikanten, seine Sekretärin und einen Aprilscherz wurde gestern im vollbesetzten Metropolis-Kino wie vor siebzig Jahren im Berliner Primus-Palast zum "großen Lacherfolg".

Hans-Michael Bock, Eröffnung CineFest 2005. Foto: George Riley Vorangegangen war die Verleihung der ebenfalls im letzten Jahr aus der Taufe gehobenen Preise für herausragende Leistungen zum deutschen Film-Erbe: der Willy-Haas-Preis für Buch- und DVD-Neuerscheinungen und der Reinhold-Schünzel-Preis für langjährige Verdienste. Hans Helmut Prinzler, scheidender Direktor des Filmmuseums Berlin übergab den Schünzel-Preis an Wolfgang Klaue, langjährigen Direktor des Staatlichen Filmarchivs der DDR, ehemaligem FIAF-Präsident und Vorstand der DEFA-Stiftung, der in diesem Jahr 70 wurde. Klaue, der sich als Archivar beschrieb, der lieber im Hintergrund arbeitet statt im Rampenlicht zu stehen und der zugab, zu Auszeichnungen ein gespaltenes Verhältnis zu haben -- "Die Auszeichnungen, die ich früher erhalten habe, waren ein schwergewichtiges Argument, mich nicht weiter im Bundesarchiv zu beschäftigen." -- nahm den Preis dennoch gerührt in Empfang. Der Willy-Haas-Preis ging in der Kategorie Buch an Walter Reisch -- Film schreiben, herausgegeben von Günter Krenn, der den Preis selbst in Empfang nahm, und in der Kategorie DVD an die neue Special Edition von Fritz Langs M, in Empfang genommen von Robert Fischer, Consulting Producer der Criterion Collection, New York. Am Schluss traf auch noch Karl Griep ein, Leiter des Bundesarchiv-Filmarchivs und Mitveranstalter des CineFests, für den die Deutsche Bahn eine Fahrt von Schwerin nach Hamburg zu einem mehrstündigen Abenteuer gemacht hatte.

Albrecht Schoenhals, Carola Höhn in April, April! (DE 1935, Detlef Sierck). Foto: Filmmuseum Berlin - Deutsche Kinemathek Noch sieben Tage lang bietet das CineFest ein vielseitiges Programm an Filmen, Vorträgen und Workshops, das sich dieses Jahr mit den Mehrsprachenversionen befasst, einer speziellen Lösung des Sprachproblems, das sich nach Einführung des Tonfilms in Europa ergab: Um Filme in andere Ländern exportieren zu können, produzierte man mehrere Fassungen in verschiedenen Sprachen, meist mit anderen Darstellern. So gab es z.B. von dem Film APRIL, APRIL! mit Carola Höhn und Albrecht Schoenhals auch eine zeitgleich entstandene niederländische Version mit Cissy van Bennekom und Herman Tholen. Während der CineFest-Tage werden viele deutsche, englische und französische Versionen von Filmen der frühen 1930er Jahre gezeigt. Danach geht das Filmprogramm auf Tour nach Berlin, Wien und Zürich.


Bilder: CineGraph, George Riley, Filmmuseum Berlin - Deutsche Kinemathek

OLAF BRILL
13 Nov 2005

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Last update (this page): 13 Nov 2005.

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