BOOK REVIEW

John T. Soister
Conrad Veidt on Screen
A Comprehensive Illustrated Filmography

Jefferson, NC; London: McFarland & Co 2002
332 pages, English text
ISBN 0786412895

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    Soister: Conrad Veidt on Screen (Cover)

Abstract in English: A book like this on Conrad Veidt is not available in German language: American John Soister presents "a comprehensive illustrated filmography", based on an in-depth research on Veidts more than 100 films. For the first time in English language, a lot of primary sources are quoted, and a multitude of illustrations and film stills shown, many of which never before seen in any book on German film. Soister sets the standard for upcoming publications on Veidt.

Ein solches Buch über Conrad Veidt gibt es in deutscher Sprache nicht: Veidt, einer der prominentesten Schauspieler der Weimarer Republik, hat nicht nur den Sprung von der Stummfilm- zur Tonfilmzeit mit Bravour gemeistert, sondern mit Beginn der Nazizeit auch den vom deutsch- zum englischsprachigen Film. Und ein amerikanischer Autor ist es, der jetzt ein sorgfältig recherchiertes Buch vorlegt, das vor allem die über hundert Filme, an denen Veidt mitgewirkt hat, detailliert vorstellt.

John Soister, Lehrer aus Orwigsburg, Pennsylvania, hat sich der Aufgabe angenommen, von Amerika aus Quellen, Daten und Bilder zusammenzutragen. Trotz dieser nicht optimalen Recherchesituation ist es ihm gelungen, dem Anspruch des Untertitels gerecht zu werden und eine "umfassende illustrierte Filmografie" vorzulegen -- auch zu den über siebzig deutschen Filmen, die einen Großteil von Veidts Werk ausmachen. Jeder Film wird ausführlich besprochen mit Bild, Stabsangaben, Inhaltsangabe und Zitaten aus Kritiken. Damit ist Soisters Buch ein wertvolles Nachschlagewerk, in dem wir sogar (in englischer Übersetzung) nachlesen können, was Der Kinematograph über WENN TOTE SPRECHEN schrieb (1917, Veidts ersten Film), oder der Berliner Börsen-Courier über SATANAS (1919). Soister hat dafür viele Primärquellen aufgespürt, ein Unterfangen, bei dem ein deutscher Autor sicherlich leichteres Spiel gehabt hätte (aufgrund der Zugänglichkeit von Bibliotheken, die deutsche Film-Fachzeitschriften sammeln). Daher ist es auch verzeihlich, dass einige Zitate offenbar aus zweiter oder dritter Hand stammen: Der kurze Ausschnitt einer Kritik zu OPIUM (1919) etwa, deren Quelle Soister nur mit "Lichtbildbühne" angibt, hätte auch länger ausfallen können und ist nicht besonders gut übersetzt (das Original steht in Lichtbild-Bühne Nr. 5, 01.02.1919, S. 38). So zeigt uns die Präzision der Quellenangaben, wie nah der zitierte Text am Original ist: Wird als Quelle nur grob "Kinematograph, 1920" angegeben (S. 96), stammt der Text wohl aus zweiter oder dritter Hand, steht da aber "Mein Film (Vienna), No. 160; 18 January 1929 -- Julius Siegfried Seidenstein" (S. 203), hat Soister das Original nachgeschlagen und übersetzt. Er gibt dabei sogar die deutschen Namen, Wörter und Begriffe meist korrekt wieder -- eine Seltenheit bei amerikanischen Publikationen über deutsche Filmgeschichte. Sogar Umlaute weiß der Autor korrekt zu platzieren, obwohl es manchmal doch ein "Rohrig" statt "Röhrig" gibt (S. 94), "Weine" statt "Wiene" (S. 99) und sogar "Jackson" statt "Jacobsen" (S. 316).

Soister macht der englischsprachigen Leserschaft viele Originaltexte zum ersten Mal zugänglich, ebenso viele Bilder, die er aus den unterschiedlichsten Quellen zusammengesammelt hat. Zu DER JANUSKOPF (1920) etwa, einem der vielen verschollenen Stummfilme, die wir gerne einmal wiederentdecken würden (es ist F.W. Murnaus Version von Stevensons Jekyll & Hyde), kannten wir bisher nur die paar Standbilder, die Lotte Eisner in ihrem Murnau-Buch veröffentlicht hat. Soister ist im Archiv des British Film Institute fündig geworden und präsentiert zwei bisher noch nicht gesehene Bilder, inklusive einem, auf dem wir den jungen Bela Lugosi erkennen, der hier eine frühe Nebenrolle spielt.

Löblich ist auch der Anhang über einige Filme, die Soister nach reiflicher Überlegung nicht in seine Filmografie übernommen hat (S. 315-317). Solch explizite Reflexion gerade der Lücken im Wissen verhindert, was in der Vergangenheit allzu oft vorgekommen ist: dass fehlerhafte Information, die ein umsichtiger Autor aus seinem Buch streicht, prompt im nächsten Buch wieder auftaucht, weil der nächste Autor eine alte Quelle heranzieht und den Wissensfortschritt nicht mitbekommt, der im Löschen falscher Information besteht. DER WEG DES TODES (1916) mit Maria Carmi und Carl de Vogt z.B. gilt in praktisch jedem Buch über Veidt als einer seiner ersten Filme -- Soister argumentiert überzeugend, dass eine Beteiligung Veidts nicht ausreichend belegt ist. Möglicherweise liegt eine Verwechslung vor mit WENN TOTE SPRECHEN (1917), den Herbert Holba 1975 einen "möglichen" Veidt-Film nannte -- und für Veidts Beteiligung an diesem Film hat Soister einen Beleg gefunden: einen Zeitungsausschnitt, in dem Carl de Vogt und "Conrad Veith" als Darsteller genannt werden (S. 32). Dass solche Belege nicht immer die Wahrheit sprechen, weiß auch Soister: So finden wir auf S. 3 eine deutsche Zeitungsannonce zu Abel Gances NAPOLÉON (1927), die Veidt als Darsteller nennt, obwohl er nicht darin aufgetreten ist -- Veidt und Gance konnten sich nicht über die Gage einigen, wie Soister kundig mitteilt (S. 2).

Eingebettet ist die Filmografie, die den Hauptteil des Buches ausmacht, in einen längeren Essay von Pat Wilks Battle zum Lebenslauf Veidts und ein kürzeres Nachwort von Henry Nicolella. Selbstverständlich runden eine Bibliografie und (Deutsche aufgepasst: immer nützlich!) ein Namens- und Filmtitel-Index den Band ab. Nachfolgende Bücher -- oder wie es im akademischen Jargon heißt: Monografien -- über Veidt werden sich an Soisters Buch zu orientieren haben.

OLAF BRILL
05 Apr 2003

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Last update (this page): 21 Jul 2004.

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