BOOK REVIEW

Rainer Rother
Nina Hoss
"Ich muss mir jeden Satz glauben"
Ein Portät

Berlin: Henschel 2009
160 Seiten, deutsch, mit Abbildungen
ISBN 9783894876029

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    Rainer Rother - Nina Hoss

Wer hätte das gedacht, dass das Mädchen, das Bernd Eichinger wählte, um in seinem Fernseh-Remake des Wirtschaftswunder-Klassikers DAS MÄDCHEN ROSEMARIE die Hauptrolle der Prostituierten Rosemarie Nitribitt zu spielen, ein Dutzend Jahre später nicht in den Klatschspalten und Dschungelcamps zu finden sein, sondern eine der größten Schauspielerinnen ihrer Generation werden würde? Eichinger hatte nämlich das Glück, nicht einfach nur eine hübsche Jungdarstellerin zu finden, sondern Nina Hoss. Durch ROSEMARIE über Nacht berühmt geworden, widersetzte sie sich allen Boulevard-Verlockungen und Starallüren, beendete zielstrebig ihre Ausbildung an der Schauspielschule "Ernst Busch" in Berlin, spielte Theater, suchte sich ihre Filmrollen genau aus, und wurde eine wandlungsfähige, gefeierte und vielfach ausgezeichnete Charakterdarstellerin (zuletzt Bremer Filmpreis im Januar 2009).

So kommt es, dass eine 33-jährige Schauspielerin nun ein publizistisches Denkmal gesetzt bekommt vom Filmhistoriker und Künstlerischen Leiter der Deutschen Kinemathek -- Museum für Film und Fernsehen Rainer Rother, der zuvor bereits eine Monografie über Leni Riefenstahl vorgelegt hat. Sein kleines Buch über Nina Hoss ist teils Biografie, teils Reportage, teils Film- und Theaterbesprechung, vor allem aber eine Annäherung an die Darstellerin und ihre Art, sich ihre Rollen anzueignen. Nicht method acting ist das, sagt Rother (wo der Schauspieler versucht, mit der Rolle zu verschmelzen), sondern präzise Arbeit: "Keine ihrer Figuren gleicht der anderen, keine ist ihr, Nina Hoss, gleich. Darin besteht ihr Geheimnis: in jeder Rolle ganz bei der Figur sein, ohne den Willen oder Anspruch, vollkommen in ihr aufzugehen (...)." (S. 7/8)

Immer wieder arbeitet Rother sich am Starbegriff ab, der nach ROSEMARIE immer wieder auf Hoss angewendet wurde (shooting star, Filmstar, Theaterstar): Sie ist eben kein Star im Sinne des klassischen Hollywood-Starsystems, der einen bestimmten Rollentypus besetzt und diesen auch als öffentliche Figur wiedergibt, sondern "ein Star anderer Art" (S. 63-65), eine Schauspielerin, die in der Lage ist, immer wieder neue Figuren glaubhaft zu verkörpern. Dabei hat Rother einen Vorteil, den viele Filmhistoriker nicht haben (wenn sie z. B. heute über Stummfilmstars schreiben): Er kennt Nina Hoss, besucht sie am Set von JERICHOW (S. 12-20), spricht mit ihren Regisseuren (Michael Thalheimer, Barbara Frey, Christian Petzold) und kann Hoss selbst befragen, z. B. zu ihrer Arbeitsweise als Schauspielerin ("Figurenkunde", S. 68-72).

So schafft er eine Primärquelle, die auch nachkommenden Forschergenerationen nützlich sein mag: Rothers Buch enthält vieles, das eine spätere Recherche nicht hergäbe: die persönliche Begegnung, aber auch z. B. die Besprechung ihrer Theaterarbeit (S. 94-114). Unter den Abbildungen sind einige Privat- und Bühnenfotos (Kinderfotos aus Hoss' Privatarchiv, Bewerbungsfotos für die Aufnahme an Schauspielschule aus dem Jahr 1989), der Anhang enthält nützlich auch biografische Zeittafel (S. 144-147), ein Verzeichnis der Film- und Fernseh- (S. 148-149) und vor allem Theaterarbeiten (S. 150-152) sowie ein Personenregister (S. 159-160).

OLAF BRILL
25 Feb 2009

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filmhistoriker.de, edited by olaf brill.

Last update (this page): 25 Feb 2009.

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