ACTRESS FERN ANDRA (1893-1974)

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FILMOGRAPHY
ABSTRACT
TEXTS BY FERN ANDRA
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    Fern Andra (1893-1974)

FILMOGRAPHY






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ABSTRACT



A former circus performer, Fern Andra (aka Fern Edna Andrews aka Fern Andrée) was a German film star of the 1910s, writing, directing, producing, and starring in her own films. One of her most memorable roles was that of wicked vamp Genuine in Robert Wiene's CALIGARI successor GENUINE (1920).





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TEXTS BY FERN ANDRA



Wie ich im Mörteleimer saß

Vor einigen Jahren ging ich mit einer Anzahl Kolleginnen und Kollegen eines Nachmittags nach einem mehr als anständigen Frühstück in einer infolgedessen auch mehr als gehobenen Stimmung durch die Straßen von New York, und wir erregten durch unsere Ausgelassenheit die Aufmerksamkeit der Passanten. Ich spielte damals an einer New Yorker Bühne die Rolle eines ganz jungen Mädchens in einem Drama, welches kolossalen Erfolg hatte, und mein Direktor hatte mir und meinen Kollegen anläßlich der hundertsten Aufführung das bereits erwähnte hochanständige Frühstück spendiert. Ein Abendessen kam nicht in Frage, weil meine Mutter in Anbetracht meiner Jugend es nicht erlaubt hatte, daß ich nach der Vorstellung noch bummeln gehe.

An besagtem Tage also kamen wir auch an dem Neubau eines Wolkenkratzers vorbei, der bereits bis zum 48. Stockwerk gediehen war. Es war die Zeit der Vesperpause, und keine Arbeiter auf dem Bau zu sehen. In unserer gehobenen Stimmung wettete einer meiner Kollegen hundert Dollars, daß ich nicht den Mut hätte, mich in einem Mörteleimer bis zum 48. Stock hochziehen zu lassen. Ich betrachtete mit Zögern abwechselnd das Baugerüst, das in den hellen Himmel ragte, den schmutzigen Mörteleimer und mein schönes, neues Kleid. Schließlich aber siegte doch die Lust am Abenteuer in mir, und eine Minute später hatte ich mich unter dem Hallo meiner Freunde in dem Mörteleimer häuslich niedergelassen. Die Umstehenden waren im ersten Moment baff, denn sie hatten wohl nicht geglaubt, daß ich die Sache ernst nehme, aber im nächsten Augenblick hatte einer von ihnen schon den Motor eingeschaltet, der mich langsam aber sicher in die schwindelnde Höhe entführte. Im Anfang war mir etwas bänglich zumute, besonders in der Magengegend, denn ich verspürte dort ein ähnliches Gefühl, wie in einem Fahrstuhl, der plötzlich in die Höhe saust. Dann aber machte mir die Sache Spaß, ich winkte meinen Freunden lustig zu, nur als ich, immer höherkommend, nach und nach den Lärm der Straße und die Zurufe der Untenstehenden nur noch verschwommen und schließlich gar nicht mehr hörte, da kam mir die Sache doch etwas merkwürdig vor. Die wunderbare Aussicht, die ich ganz oben genoß, entschädigte mich für alle Beklemmungen, die ich auf der Fahrt empfunden hatte, und ich hätte gern ein bißchen länger oben verweilt. Meine Kollegen, die aber wohl mittlerweile ängstlich geworden waren und das Zurückkommen der Arbeiter fürchteten, ließen mir nicht lange Zeit, und bald stand ich wieder auf festem Boden, allerdings erst, nachdem ich unterwegs einen Anfall von Seekrankheit zu bekämpfen gesucht hatte, leider mit negativem Erfolg.

Das Ergebnis dieser Rutschpartie war auf der einen Seite wohl die gewonnenen hundert Dollars, die mir mein Kollege -- zu seiner Ehre sei es gesagt -- sofort auszahlte, auf der anderen Seite ein verdorbenes Kleid und zu Hause bei meiner Mutter ein Empfang, über den auch weniger waghalsige Naturen als ich mit grabähnlichem Schweigen hinweggehen würden.

Aber die Tragikomödie war noch nicht zu Ende. Am nächsten Tag ließ sich bei meiner Mutter ein sehr elegant gekleideter Herr melden, der mit ihr eine längere Unterredung unter vier Augen hatte. Mir schwante nichts Gutes, zumal meine Mutter mich dann ins Zimmer rief und mir befahl, mich zum Ausgehen fertig zu machen, ich müsse mit dem fremden Herrn und mit ihr sofort nach der Stadt fahren. Da hatte ich die Bescherung! Ich sah mich im Geiste schon auf der Polizei und vor Gericht, denn gegenüber allen meinen Fragen, die ich an meine Mutter richtete, hatte sie nur ein eisiges Schweigen, was natürlich nicht zur Entlastung meines schuldbewußten Gemütes beitrug.

Sehr erstaunt war ich daher, als wir vor einem großen Geschäftshaus landeten und dort mit dem Expreßlift, der nur an jedem fünften Stockwerk anhält, in die Höhe sausten; daß mich diese Fahrt im Lift lebhaft an meine kürzliche Missetat erinnerte, ist wohl begreiflich. Oben angekommen, wurden wir von einem Boy, der allem Anschein nach schon entsprechende Weisung hatte, in einen dunklen Raum geführt, und kaum, daß wir uns zu einer Sitzgelegenheit hingetastet und Platz genommen hatten, da beleuchtete ein Lichtstrahl eine weiße Leinwand, und auf dieser erschien der Tatort meiner gestrigen Luftreise. Im ersten Impuls wollte ich natürlich aufspringen und davonrennen. Meine Mutter, die aber etwas Ähnliches schon geahnt hatte, hielt mich fest, und beklommenen Herzens mußte ich meine Schandtaten schwarz auf weiß mit ansehen. Nach und nach machte mir die Sache aber Spaß, denn es ist ein ganz eigenartiges Gefühl, wenn man sich zum erstenmal lebend auf der Leinwand sieht. Als der Film abgerollt und Licht eingeschaltet war, hatte auch meine Mutter ihre gute Laune wiedergefunden, und ich kam um eine nochmalige Strafpredigt herum. Des Rätsels Lösung war die:

Ein Kino-Operateur, der gerade von einer Aufnahme kam, hatte uns beobachtet und aus Scherz die Aufnahme gemacht, ohne zu wissen, wer wir sind. Als der Regisseur seiner Firma die Filmaufnahme sah und mich infolge der vielen Bilder und Reklamen, die anläßlich meines Auftretens in den Zeitungen und Zeitschriften erschienen waren, sofort erkannt hatte, machte er sich sofort auf seine seidenen Socken und meiner Mutter den Vorschlag, mich für die weibliche Hauptrolle des nächsten Sensationsfilms seiner Firma zu engagieren. So kam ich zum Film bzw. der Film zu mir.

Film-Kurier (Berlin) vol. 1, no. 25, 04 Jul 1919, p. 1 [part of a series of texts "Wie ich zum Film kam", headed: "Fern Andra's Himmelfahrt. Ein seltsames Abenteuer der Künstlerin"].



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TEXTS ABOUT FERN ANDRA



Anonymous
Fern Andra beim Sechstagerennen


Bei dem Sechs-Tage-Rennen, welches kürzlich stattfand, bemerkte man auch des öfteren Fern Andra, welche jedesmal größere Preise stiftete. Natürlich setzten die Rennfahrer alles ein, um einen Preis der beliebten Künstlerin zu erringen. An einem der letzten Abende wurden Fern Andra zufälligerweise eine Anzahl Eier angeboten, die sie, einem spontanen Einfall folgend, kaufte und als Preise aussetzte; 75 Stück als ersten und 25 Stück als zweiten Preis. Den ersten Preis errang sich Walter Rütt, während den zweiten Preis Wittig davontrug, der, wie bekannt, kurz danach das Opfer eines schweren Sturzes geworden ist.

Lichtbild-Bühne (Berlin) vol. 12, no. 18, 03 May 1919, p. 32.

Walter Hasenclever
Fern Andra


Die Redaktion dieser Zeitschrift fordert mich auf, für das Sonderheft, das der großen Künstlerin gewidmet ist, die einleitenden Worte zu schreiben. Ich will versuchen, mein bescheidenes Maß in den Dienst der Kräfte zu stellen; ich will das Bild einer Persönlichkeit nachzeichnen, die zum Symbol der Nation geworden ist. Ich erschrecke nicht vor der Größe der Aufgabe, obwohl ich bedaure, in einem Jahrhundert zu leben, das für seinen Enthusiasmus nur das dürftige Papier einiger Filmzeitschriften erfand; es ist ein schlechter Trost für mich, daß der Präsident der Republik einen Kranz in Weimar niederlegte, der dem Genius des Ortes gewidmet war. Meine Aufgabe ist, den Genius der Zeit zu finden. Ich habe ihn gefunden. Er heißt Fern Andra! Ich weiß, man wird einwenden, ich könnte unter dem Schutz der literarischen Freiheit, die uns die Revolution gewährleistet, meine Sachlichkeit zugunsten meiner Freiheit mißbrauchen. Nichts liegt mir ferner! Ich habe zuviel Ehrfurcht vor den Gütern der Nation, um kritisch zu sein. Ich umgebe die tragische Muse mit dem Zauber der Voreingenommenheit und behaupte, daß Fern Andra unsere größte Schauspielerin ist.

Denn sie ist unser! Das Wunder des Expressionismus, dieser geheimnisvollen Kunst, die so viele Geister und so wenig Geist erzeugt hat, vollzieht sich bereits am dreijährigen Kind. Im Alter von drei Jahren betritt sie zum ersten Mal die Bühne in der Rolle eines stummen Engels. Lesen wir, was ihr Biograph im zehnten Heft von "Film und Brettl" berichtet:

"Damals hatte unsere Künstlerin anscheinend noch kein Verständnis für stumme Kunst, denn sie begnügte sich nicht damit, himmlische Ruhe zu markieren und andachtsvoll über die Bühne zu fliegen, sondern sie erhob gegen diese Tätigkeit einen geharnischten Protest, der sich darin äußerte, daß sie während des Aufenthalts auf der Bühne entsetzlich zu weinen begann."

[p. 298:] Ich weiß nicht, ob die ekstatischen Schreie des "Jungen Deutschland" damals schon bekannt waren. Der Biograph irrt, wenn er meint, die Künstlerin habe im zarten Alter noch kein Verständnis für die Kunst. Das Genie ringt nach Worten; es deutet die Vorstellung des Engels um in kindische Laute. Wir stehn an der Wiege des Dadaismus. Bilder aus jener Zeit sind uns erhalten, wir sehen die Schauspielerin mit ihrem ersten Partner. Unnachahmliche Geste, die Beine zu lüften; auf dem Gesicht der erschütternde Ausdruck, Liebling des Volks zu sein! Hätte Napoleon einen Busen gehabt, er hätte so siegesgewiß nicht die Hände unter ihm kreuzen können, wie die siebzehnjährige Fern. Die Genealogie dieses Kindes trägt alle Spuren des Geistes, vor dem fünf Erdteile sich beugen. Mutter und Großmutter ziehn vor unserem Auge vorüber. Sieben Städte stritten um die Ehre von Homers Geburt; Griechenland hatte Homer -- Berlin Fern Andra. Die Wolke der Kinobesucher, von dieser Sonne bestrahlt, erhebt sich aus den Niederungen in eine Höhe, wo die reine Reklame waltet. Rennfahrer starten, die um Preise, von ihr gestiftet, radeln. Sisyphos in der Unterwelt hört auf, den Stein zu wälzen; die Danaiden schöpfen nicht mehr; Hades, der finstere Gott, lehnt den Arm um Persephoneia. Schon flammt auf dem Potsdamer Platz das Riesenangebot amerikanischer Operateure, Auf der Leinwand des Styx, die Zeus selbst bei Baruch gekauft hat, rollt donnernd ihr erster Film.

Bürger, betrachtet ihr Antlitz, wie sie Blumen liebkost! Seht sie, hingegossen auf der Ottomane, die liebliche Fern. Seht, wie sie lacht, wie sie telefoniert, wie das Auge langsam mit Tränen sich füllt! Eine ergreifende Anekdote erzählt uns der Biograph:

"Ein geschäftstüchtiger Direktor engagierte das junge Mädchen für eine Tournée durch alle großen Städte Amerikas und ließ sie eine tragende Rolle in einem Drama darstellen, dessen Höhepunkt in einem Schrei bestand, der sich der gequälten Mädchenseele entringen sollte. Doch das "Entringen" war nicht so einfach. Der Schrei fiel nicht zur Zufriedenheit des Direktors aus, und so kam man auf die Idee, Fern Andra in dem geeigneten Moment derartig an den Haaren zu reißen, daß das arme, gequälte Geschöpf Schmerzensschreie [p. 299:] ausstieß, die an Wucht und Natürlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Es ist nur selbstverständlich", fährt der Biograph fort, "daß dieser Schrei nicht ungehört erklang, er bildete den Grundstock der Popularität!"

Kann der Siegeszug der neuen Kunst deutlicher gezeigt werden? Wir, die wir trauernd am Grabe der Duse standen, stehn erschüttert vor der Gewalt eines neuen Schmerzes. Der Expressionismus beginnt; Fern Andra ist geboren. Die Berge kreißen und der Schrei wird populär.

Die Künstlerin hatte die Freundlichkeit, mir ein Interview zu gewähren. Sie empfing mich in ihrem Salon; an der Wand hingen Bilder von Kaiser Wilhelm und Kaiser-Titz, der Plafond war täuschend in einen Sternenhimmel verwandelt, wobei kunstgerecht aus jedem Stern eine elektrische Lampe strahlte. "Ich habe", sagte Fern Andra lächelnd, "meinen Salon in einen Himmel verwandelt, damit ich mir jederzeit die Illusion des Firmamentes verschaffen kann. Die Tendenz meiner Filme ist der Jetztzeit angepaßt. Ich folge den Spuren Kants: der gestirnte Himmel über mir und das Sittengesetz in mir!" Sie drückte auf einen Knopf. Eine Sternschnuppe in Gestalt einer Konkurrentin fiel vom Plafond. "Meine Jugend war hart", fuhr sie fort, während zwei weiße Katzen, ein Geschenk der Nationalversammlung, zu ihren Füßen schnurrten. "Obwohl Künstlerblut in meinen Adern rollt, sollte ich Tippmamsell werden. Es kam anders. Ich wurde berühmt. Es wird Sie interessieren, daß ich alle meine Filme selbst schreibe. Ich spiele nicht nur, ich führe Regie. Manchmal kurbele ich. Ich bin ein Wunderkind! Ich kann reiten, tanzen, schwimmen, autofahren, rudern, fliegen, lesen und schreiben. Amerika hat mich geboren, der Ozean gesäugt, Deutschland ist meine Heimat geworden. Mein Bild hängt in allen Schulen. Fünf Schreibmaschinen arbeiten ununterbrochen. Ich diktiere meine Lebensgeschichte". Die Künstlerin schwieg. Die Planeten im Plafond drehten sich, die elektrischen Lampen strahlten. "Das Geheimnis des Erfolges", lächelte sie, "ist der Glaube an die Dummheit. Ich bin nicht nur klug; ich bin schön! Ich habe ein Preisausschreiben für Schönheit erlassen. Ich werde mich selbst prämiieren. Das ist mein größter Trumpf". Rote Vorhänge wehten ins Zimmer, verhüllten den neckischen [p. 300:] Leib der Schauspielerin; nur das Gesicht leuchtete magisch, venetianisch. "Ich will meine Biographie verfilmen. Ich will mich selber spielen", hauchte sie.

Ich ging. Plötzlich veränderte sich der Horizont. Aus der Peripherie, die Berlin umwölkte, stiegen Säulem; die Stadt wurde zum Amphitheater. Eine unsichtbare Musik spielte den Masrch aus Aïda. Auf der Estrade, ähnlich den römischen Kaisern, saß die göttliche Diva und verschenkte ihr Bild. Unten aber im weiten Saal der Arena schritt der Zug der Gladiatoren; ich sah die Durieux, die Eysoldt, die Annemarie Seidel in weißen Gewändern, wie sie langsam der Estrade sich näherten: "Ave, Andra, moriturae te salutant!"

Die neue Schaubühne (Dresden) vol. 1, no. 10, 01 Oct 1919, pp. 297-300.

Anonymous
Achtung! Lesen!
Beinahe furrrchtbarer Unfall!


Beinahe wäre die berühmte Filmschauspielerin Fern Andra von einem Elefanten zerquetscht worden, als sie in Leipzig große, sensationelle Originalaufnahmen machte. Bei einem Trick ließ sich der Elefant beinahe auf sie niederfallen, beinahe lastete der zwanzig Zentner schwere Körper auf ihr, beinahe war sie eine formlose Masse, bis es gelang den Elefanten wegzuzerren, und sie gerettet war. Beinahe wäre dies nicht gelungen . . .

Fern Andra ist uns erhalten geblieben.

Film-Kurier (Berlin) vol. 1, no. 104, 05 Oct 1919, p. 2.

Vera Bern-Luzern
Ein Flimmerausflug [Excerpt]


[...] Völlig außer Rand und Band gerieten die Zimmermädchen aller Etagen des Zähringerhof, als der Name Fern Andra auf dem Anmeldeschein auftauchte: Fern Andra mit Jungfer, Gesellschafterin, Sekretärin! . . . Ob ein Lebewesen sich in alle drei Funktionen teilte, oder ob sie wirklich mit Gefolge reiste, blieb unaufgeklärt, aber daß die "Masseuse" Fern Andra auf ihren Reisen mit griffgewohnten Händen begleitet, die gleiche Masseuse, die -- man denke -- auch Henny Porten zeitweilig ihre Dienste leiht, blieb selbst den frauenfeindlichsten Gästen des Hotels kein Geheimnis . . . Und daß der noch ungeborene nächste Fern Andra-Film schon für sieben -- warum nicht gleich siebzig? -- Millionen verkauft sei, wurde mit ehrfürchtigem Schauer erzählt.

Schmerzlich, äußerst schmerzlich war es nur, daß nach Fern Andras Abreise Freiburg sich nicht darüber einig war, wer denn eigentlich Fern Andra gewesen sei . . . die eine der beiden englisch sprechenden Damen -- oder die andere -- sie waren nämlich beide sehr hübsch. [...]

Der Kinematograph (Düsseldorf) vol. 14, no. 692/93, 25 Apr 1920.

Anonymous
Fern Andra im Stadion.


Bei klarstem Sonnenschein wanderten am vergangenen Sonntag Tausende von Menschen die Heerstraße hinunter zum Stadion. Auf der Fahrstraße eine unzählige Menge von Gefährten jeder Art. Autos, Privatfuhrwerke, Kremser und Omnibusse. Vor der Kasse staute sich eine riesige Menschenmenge, die noch in letzter Minute Fern Andras römisches Wagenrennen sehen wollte. Im Stadion selber wohl 20 bis 30 000 Menschen, spannend den Moment der Eröffnung dieses Zirkusfestes größten Stils erwartend. Nach einem nicht gelingen wollenden Glockenzeichen des Zirkusdirektors (Gleißner) bot sich den Zuschauern ein prachtvolles Paradebild der von Marschklängen der Stadionkapelle begleiteten gesamten Zirkusangestellten, Artisten usw. Nach dem Umzug tummelte sich ein Gros von Artisten-Clowns auf dem grünen Rasen. Zu gleicher Zeit arbeiteten Cowboys, Japaner und rot befrackte Reiter in den vier verschiedenen Manegen. Kaum war man in der Lage, mit dem Auge all dem, was gleichzeitig in erstklassiger Ausführung geboten wurde, folgen zu können.

Nach kurzer Pause die große Attraktion des Tages, Fern Andra im römischen Wagen, vier prachtvolle Schimmel. Hinter ihr Leonhardt mit einem Rappengespann. Nach kurzem Auf- und Abfahren stellen sich die beiden Wagen zum Start. Ein kurzer Moment noch, um den Operateuren Gelegenheit zum Drehen zu geben, dann gehts los. Zunächst übernimmt Leonhardts Wagen die Führung. Jedoch schon in der ersten Kurve bekommt Fern Andra die Innenseite und überholt ihren Gegner. Wechselseitig wiederholt sich das vier mal bis zur zweiten Runde. Unter tosendem Beifall der begeisterten Menschenmenge bringt Fern Andra ihren Wagen 1 1/2 Längen vor ihrem Gegner durchs Ziel. Nach dem Wagenkampf auf der Nordseite des Stadions ein paar kurze Szenen: Fern Andra stürzt nach aufregendem Kampf. -- Großaufnahmen -- entsetztes Publikum -- blutende Wunden, Aerzte und Krankenträger. Zu all dem freiwillige Volksstatisterie. Als Abschluß ein Looping the loop und dreifacher Fallschirmabsturz aus über 1000 m Höhe. Zufrieden über einen gut verbrachten Sonntag-Nachmittag wandern die Stadionbesucher heimwärts, gespannt "Des Lebens und der Liebe Wellen" erwartend.

Der Film (Berlin) vol. 6, no. 38, 18 Sep 1921, p. 49.



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Last update (this page): 21 Jul 2004.

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