WRITER HANS JANOWITZ (1890-1954)

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FILMOGRAPHY
ABSTRACT
CURRICULUM VITAE
TEXTS BY HANS JANOWITZ
LITERATURE
    Hans Janowitz (1890-1954)

FILMOGRAPHY






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ABSTRACT



Hans Janowitz deserves more than being labeled "the second man". He was a poet, film author, and manufacturer. His claim to fame was a little film-script he wrote with his friend Carl Mayer in winter 1918 / 19 when they were desperately in need of some money: THE CABINET OF DR. CALIGARI, of course. Janowitz called himself the "father" of the brain-child CALIGARI "who planted the seed, Mayer the mother who carried it to fruition." He also wrote some other film-scripts, most notably those for Murnau (DER JANUSKOPF, MARIZZA, GENANNT DIE SCHMUGGLERMADONNA), but it was Mayer who became famous as "film poet". Janowitz always aimed at becoming a "regular" poet, writing for the cabaret and literary magazines. But, his work as a poet is almost forgotten, again in the shadow of another great writer: his brother Franz who died in World War I at age 25. Some say, Franz would have become as big as his contemporaries Franz Werfel or Georg Trakl, had he survived.

Hans' life was overshadowed by deaths of his loved-ones: Franz, his younger brother, and Gilda Langer, his friend, died young, his father's death forced him to go back to Czechoslovakia and take over his company, he fought in the war and came back as a pacifist, and most of his friends and family were murdered by the Nazis: "Nearly all of my friends of the early school days, in Prague, are gone. Deported. Shot. Gassed. Burned. ... killed and gassed ... gone in Birkenau ... vanished -- tortured to death by the mad 'master race', gone -- 'Caligari', as I felt, from 1918, they would", as he wrote to Edith Mayer in 1945.

When the Nazis occupied Czechoslovakia in 1939, Janowitz and his wife fled to New York, where he worked as a manufacturer of perfumes and tried in vain to set up a CALIGARI remake. In exile, he always proclaimed the thesis that Mayer and himself wanted to transport a political message with the CALIGARI script: a foreboding and warning of the terror that would ravage and divide all Europe. In the shadow of the terrible terror of World War II, he gave an account of the making of CALIGARI: The Story of a Famous Story, a script which Siegfried Kracauer used for his famous book, From Caligari to Hitler.




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CURRICULUM VITAE

1890: 1891: 1892: 1900: 1909: 1910: 1912: 1913: 1914: 1917: 1918: 1919: 1920: 1921: 1922: 1923: 1924: 1927: 1933: 1939: In Exile in America: 1944: 1947: 1950: 1954:


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TEXTS BY HANS JANOWITZ



Rufe nach der "starken Armee"
Ein Wort an Waffengläubige


Jeder Staat führt den Krieg gegen die eigene
Kultur. Anstatt Krieg gegen die eigene Unkultur zu führen.
Karl Kraus.

Immer häufiger läßt sich die alldeutsche Presse von den großen Herren der Generalität Leitartikel schreiben. Man kann es schließlich verstehen, daß unsere Armeeführer, denen das "vorschnelle, übereilte" Kriegsende und die "verfluchte" Revolution wenigstens teilweise das Handwerk gelegt haben, sich nunmehr ein neues Wirkungsfeld suchen. Und dieses literarische ist darum besonders geeignet, weil sie ja darauf neue Saat zu neuer blutiger Ernte ausstreuen können.

Daß Berufsoffiziere aus dem öden Gesichtskreise, den ihnen Erziehung und ein Leben unter dem Drucke von oben und dem Drucke nach unten vorgeschrieben haben, nicht hinausgelangen: wer staunt darüber? Daß sie aber in einer Zeit, deren Herzensschrei nach Verhütung künftiger Kriege, nach Abrüstung ausklingt -- den Schrei nach der neuen, starken, brauchbaren Armee ausstoßen dürfen, und zwar nicht nur an ihren Stammtischen, sondern auf dem Resonanzboden der Tagespresse, das ist im tieferen Sinne unpatriotisch und volksfeindlich gehandelt; das müßte vermieden werden, wenn das Ansehen der Deutschen Republik nicht weiter leiden soll unter dem begründeten Zweifel des Auslandes, dem Zweifel an der Wahrhaftigkeit unseres Bekenntnisses zu den Zielen der Weltdemokratie, der Abrüstung, des Völkerbundes.

General Litzmann verlangte kürzlich in der "Täglichen Rundschau", daß die Nationalversammlung "dem deutschen Vaterlande eine Verfassung, eine Regierung und unbedingt auch ein neues, brauchbares Heer gebe". Er klagt weiter:

"Friedensbedingungen und wirtschaftliche Lage werden uns bei Wiederaufstellung eines Heeres die größte Einschränkung auferlegen."

Nur Friedensbedingungen und wirtschaftliche Lage also? Und gar nicht unser Wille, der unleugbare Wille des mörderisch heimgesuchten Volkes, an der endgültigen Abschaffung der Tollwut des Krieges leidenschaftlich mitzuarbeiten?

Die Tatkraft kriegslustiger Offiziere der Allgemeinheit noch irgend nutzbar zu machen, sie aus der Gesinnungsbarbarei in menschliche Gebiete abzuleiten: an dieser Aufgabe muß man fast verzweifeln. Die wenigen unter ihnen aber, die einer Einkehr fähig sind, sollten ihre unbelehrbaren Kameraden erst einmal in öffentlicher Erwiderung maßregeln und sollten ihnen klarzumachen versuchen, um was es geht. Man müßte sonst wünschen, daß Mittel und Wege gefunden würden, wie waffengläubige Toren, die von ihrem endlosen Holzweg nicht abzubringen sind, aus der Republik als "lästiger Inländer" auszuweisen wären. Oder zumindest, daß das deutsche Volk, grob und deutlich, sich von ihnen ein für allemal isoliere.

-- -- --

Auch der Demokrat Theodor Wolff äußert die Ansicht, daß wir "so schnell wie möglich eine Heeresverfassung und ein Heer brauchen" und daß "es nicht gerade leicht sein wird, wieder eine organisierte militärische Macht zu schaffen, ein Volksheer aufzustellen". Soll also die Mobilisierung der Knaben noch kein Ende nehmen? Soll das "Volk in Waffen" eine ständige Einrichtung bleiben? Sollten wir uns nicht endlich darauf einigen können, eine Miliz zu schaffen, die ohne den menschenunwürdigen Zwang der allgemeinen Wehrpflicht -- die Wurzel alles Übels ist -- die gewiß nicht zu unterschätzende Arbeit besorgt, all den Grenzen und im Innern der Republik für Erhaltung des Friedens zu sorgen?

"Ohne einen Dienstzwang wird es nicht gehen", meint Wolff. Wir erhoffen vom Völkerbundfrieden, daß kein Staat der Welt mehr wird Heere aufstellen dürfen, die auf dem Dienstzwang und also auf der Sklaverei beruhen. Das Blut der Jugend sei uns endlich teurer als die verbohrte Denkfehlerweise der Alten!

Die sozialistische und die geistige Jugend wird es einmütig ablehnen, das Heil der Zukunft an Ideen zu binden, die den Menschen zum Handlanger von Mordmaschinen und die Staaten der Erde zu drohenden Waffenplätzen degradieren. Und den Rufen nach dem Volksheer, nach der neuen Armee, tönt laut und warnend die Stimme der im Kriege klüger gewordenen Jugend aller Völker entgegen: Wir morden ferner nicht und lassen uns nicht morden!

Wer es anders will, der ziehe einzig für seine Person die Konsequenz aus seiner Ansicht, und werde Soldat -- aber er überantworte nicht mehr andere der Krupp- und Schneider-Creuzot-Hölle.

-- -- --

Die Jugend, die den Krieg am eigenen Leibe erfahren hat, die dem Popanz Vaterland Opfer gebracht hat, welche dem ewigen Gesetze der Schöpfung so ungemäß sind, wie Leib und Seele schädlich, diese Jugend hat die Pflicht, der unerfahrenen und von der Lust am Abenteuer furchtbar gefährdeten neuen Jugend zu sagen, was es mit den großen Worten auf sich hat. Und es nicht bloß zu sagen -- es ihnen einzubleuen, ist Gebot der Notwendigkeit. Der "Tod fürs Vaterland" soll fernerhin nur von jenen genannt werden dürfen, die den Mord fürs Vaterland zu begehen aus tiefstem Herzen ein für allemal ablehnen. Das Vaterland sei ein nüchterner Begriff. Verwirrt, verkehrt, romantisiert vom Alkohol- und Phrasenrausch, soll er nach der kalten Dusche der "großen Zeit", die ihn ernüchtert hat, nüchtern bleiben durch alle Wirrnisse hindurch, die dem Menschentum noch bevorstehen. Das Sterben der Söhne für Unsinn und Aberwitz sei endlich aus dem Umkreise dieses Menschentums ausge-[p. 181:]schlossen. Wollen die Gefilde, in denen wir gehen und leben gelernt haben, immer wieder zu Schlachtstätten werden, zu Schlachtstätten unserer Brüder, so werden wir es ihnen niemals Dank wissen, daß wir ihre Söhne sind.

Der einfältigste Bursche draußen, den man im Soldatenkittel fürs Vaterland sterben hieß, hat es empfunden, daß es mit rechten Dingen nicht zugehen kann, wenn der pulsierende Menschenleib in ein Gebiet verbannt ist, wo tötende, aber "ingenieuse" Erfindungen auf ihn losgelassen sind. Denn: wie wehrlos war doch der Lebendige vor der Maschine! Daß er selbst eine Maschine trug, hat ihn nicht wehrhaft gemacht. Wehrhaft waren einzig die Waffen, nicht ihre Träger. Eisen schoß auf Eisen. Die Toten konnten einander nichts anhaben, auch wenn sie -- seelenlose Gegner -- aneinander in Splitter gingen.

Aber daß in jener Auseinandersetzung, die die Rüstungsindustrien zweier Welten miteinander hatten, lebendige Menschen standen, daß nicht Herz gegen Herz stand, sondern Waffe gegen Waffe, und die Herzen trotzdem brechen mußten: das war das Ergebnis des tragischen Irrtums eines von Lüge und Phrasen verführten, dem Grauen, dem Abgrund preisgegebenen Geschlechts. Und daß die irrenden Herzen die Wirkung der Waffe nicht bloß der Waffe zuschrieben, sondern auch dem Herzen drüben: von diesem allzu wehen Irrtum, der die Kindlichkeit unserer Mannheit beweist, lebten die Regisseure der Tollwut hüben und drüben. So nahm der lebendige Organismus, anstatt Rache zu nehmen an der Waffe, Rache am Bruder, am lebendigen Organismus, Rache an sich selbst: und der einfältige Bursche im Soldatenkittel drückte ab, wenn er selbst im Feuer lag . . . Der Feind war natürlich nicht der Franzose, der Engländer, der Russe und Italiener: der gemeinsame Feind aller war die Waffe und die, die sie geschmiedet hatten. Sie hätte zerbrochen werden müssen, sobald erkannt war, daß der Kampf unsinnig, weil immer ungleich war: Stahl gegen Menschenfleisch, Hart gegen Weich, Tod gegen Leben!

Aber das Wesen der Waffe ist heute noch so wenig erkannt, daß Bürger und Proletarier für unerläßlich halten, die Erbschaft des Krieges im Zeichen des Hasses anzutreten -- und sich gegeneinander bewaffnen. Begonnen haben, wie schon einst, natürlich immer die anderen. Die "Bomben auf Nürnberg" sind identisch mit dem "ersten Schuß aus der Menge", "aus dem Fenster". Die Anwendung der Waffe, die Zuversicht auf das Hasardspiel der Gewalt -- sie waren die verdammenswerten Führer auf dem Wege zum Chaos. Und noch keine Erkenntnis, keine Einkehr? Noch die Blutannoncen in der bürgerlichen Presse Deutschlands, noch die Jagd nach dem Leben der Ewig-Vertrauenden, der denk-lahmen Jugend? Noch Rufe nach der starken Armee? Noch Attentate, politische Morde?

Unbelehrbaren ist nicht zu helfen. Geht die Lehre weiter, diese Lehre des Eisens gegen das Leben, so wird das Bestehende -- Unwert und Wert -- zu grunde gehen. Und wird es wert sein.

Berlin, März 1919.

Der Friede (Vienna) vol. 3, no. 60, 14 Mar 1919, pp. 180-181.

Das Märchen von Gilda Langer

Es war einmal eine Frau, die hatte eine Seele. Darum hatte sie eine ganz dünne Haut, die aus Blumenblättern zu sein schien; darum hatte sie Augen, die einem Engel oder sanften Himmelstier gehörten; darum trug sie einen paradiesischen Garten am Haupt aus blondem Haar.

Es war einmal diese Frau. Seit Sonnabend, 31. Januar 1920, 10 Uhr 15 Minuten vormittags, ist sie nicht mehr. Sie starb. Sie starb, weil sie dem Sterben keinen Widerstand entgegenzusetzen hatte. Keinen Widerstand: das ist es, was uns sterblich macht! Melancholie ist der heimliche Verräter des Lebens an den Tod. Es stirbt, wer irgend etwas hier verneint, was das Leben nicht missen will. Dieses Etwas? Mysterien. Ein Nichts und ein Alles. Eine seelische Stellung zu den Dingen der Erde. Eine Verschiebung des Ausblicks in das Jammertal. Eine Geringfügigkeit. Eine Freude vielleicht, ganz klein und fast nichtig, auf die man verzichtet hat -- und irgendwo schlägt da dem Ablauf eines Lebens seine Uhr. -- Widerstandslosigkeit vor dem Tode?! Die Widerstandslosigkeit einer Dreiundzwanzigjährigen? So lag das Herz dieses triebzarten Lebens frei in dem Sturme der Todeskrankheit? War dieses Mädchens Jugend denn nicht: Kraft zu leben? War sie nicht eher: Kraft der Feinheit, leben nicht zu können???

Wandelnde Psyche war sie, und ist dahin. Musik und Blumenduft war ihr Atem, Wort, Auge, Schritt. Verirrte Seele, Kind aus den Gefilden eines fremden Werweißwo: so bist Du, Weiße, mit dem schwarzen Engel uns entlaufen?

Hat sie nun ihren Geist aufgegeben, Freunde, oder ihren Leib?! Trauert! Trauert! Denn ein solches Märchen, wie dieses war, das Märchen von Gilda Langer, wird Gott euch nicht wieder erzählen.

Das Tage-Buch (Berlin) vol. 1, no. 35, 11 Sep 1920, p. 1158. [Slightly altered and abridged reprints 1921: 1. Film-Hölle (Berlin) vol. 2, no. 1, January 1921, pp. 12-13. 2. Film-Tribüne (Berlin) vol. 3, no. 5, 30 Jan 1921, p. 3.]

"Die Geliebte Roswolsky's"
Ein Wort der Autoren [with Henryk Galéen]


Der künstlerische Film sieht bereits auf die Erfahrung immerhin einiger Jahre zurück. Seltsam, daß es trotz immer wiederkehrender gleicher Lehre kaum einen Kritiker gibt, der sich in der Verurteilung des Manuskriptes, welches er in den seltensten Fällen auch nur gelesen haben kann, gewisse Schranken auferlegen würde. Weiß man immer noch nicht, daß Manuskript und Film Begriffe sind, die nur dann zur Deckung gebracht werden können, wenn der Regisseur, der den Film macht, mit dem Autor, der ihn geschrieben hat, identisch ist, oder zumindest in gemeinsamer Arbeit übereinstimmt? Weiß man immer noch nicht, daß Auslassung eines grundlegenden Terttitels, die Fortlassung einer charakterologisch eintscheidenden Szene den Sinn des ganzen Dramas ins Wanken bringen, daß einschneidende Änderungen, Fortlassungen und Zutaten, die ein Regisseur am Manuskript begeht, den komplizierten Aufbau eines in allen Teilen organisch verknüpften, dramatischen Gebildes zerstören müssen?

Zur Not kann ein Theaterkritiker ein Drama, das er nicht gelesen hat, aus der Aufführung beurteilen: denn das geistige Eigentum des Bühnendichters ist geschützt, sowohl vom Gesetz wie auch von der Tradition des Theaters, das sich seiner kulturellen Verantwortung doch bewußt zu sein pflegt. Mehr als der Bühnendramatiker müßte daher der Film-Autor von der Kritik verlangen, daß sie, ehe sie sein Werk beurteilt, es auch liest. Rudimentäre Bruchstücke des ursprünglichen Manuskriptes dürfen jedoch wohl kaum die Basis einer ernsthaften kritischen Beurteilung sein.

Wir sagten: der Sinn des ganzen Dramas käme ins Wanken, wenn eine Szene, ein Text von grundlegender Bedeutung fortgelassen würde; wird aber eine Reihe solcher Szenen und Texte einfach gestrichen oder durch andere ersetzt, wird die Exposition der Charaktere auf den Kopf gestellt oder verschoben, so hört die Verantwortung des Autors für das resultierende Werk selbstverständlich auf.

Mit Recht wird der Kritiker fragen, warum in einem so eklatanten Falle die Autorennamen auf einem Produkt prangen, dessen dramaturgisches Niveau sie in künstlerischer Hinsicht herabsetzt. Hierzu ein Wort: Hätte man die Autoren, wie es ihnen seitens der Ufa-Direktion zugesagt war, zu einer Probevorführung vor der öffentlichen Première zugezogen, so wären zumindest die größten Änderungen und Auslassungen nicht gebilligt worden. Eine gründliche Reparatur des Filmes durch textliche und szenische Korrekturen wäre vielleicht noch möglich gewesen. Eine Weigerung seitens der Hersteller würde in diesem Augenblick noch das selbstverständliche Zurückziehen der Autorennamen bewirkt haben. Weil aber den Autoren der Film leider erst in der Première zugänglich gemacht wurde und der Regisseur es auch nicht der Mühe wert gefunden hatte, die Autoren eines Filmes, den er doch nur darum zur Inszenierung bekam, weil der vorgesehene Autor-Regisseur erkrankte, zur Beratung in Regiefragen heranzuziehen, so konnte selbst ein nachträgliches Zurückziehen der Namen an der Sache selbst nichts mehr ändern.

Hier ist gewiß nicht der Ort, diese Angelegenheit in all der Ausführlichkeit zu besprechen, wie sie sie verdienen würde. In aller Kürze sei noch gesagt, daß die Autoren an einer Fülle von Beispielen dartun können, wie der sorgfältig verknüpfte, logische Zusammenhang und Aufbau des Sujets, offenbar nur durch hastige Arbeitsübernahme, in einer sonst völlig unbegreifbaren, die Sache selbst natürlich sehr schädigenden Weise über den Haufen geworfen wurde.

Die schiedsgerichtliche Untersuchung eines so eklatanten Falles von Nichtbeachtung durchdachter Szenenvorschriften müßte für alle Mitarbeiter am Film von exemplarischer Bedeutung sein. Die Autoren sind bereit, ihre Sache vor jedem literarisch und filmtechnisch einwandfreien Schiedsgerichte zu vertreten und das schwere Unrecht zu beweisen, welchem sie als Verfasser von Filmdramen sowohl von seiten der Hersteller wie auch von seiten einer allzu uninformierten Kritik andauernd ausgesetzt werden.

Henryk Galéen.   Hans Janowitz.


[editor's reply:] Die Herren Einsender, die sich hier zum Worte melden, haben ein Anrecht auf eine Berichtigung. Es wäre am bequemsten, auf die Sätze zu verweisen, die Willy Haas in der Nummer des "Film-Kurier" vom 16. März ds. Js. schrieb, und zwar unter der Überschrift "An die Filmdichter"; doch mögen die gewissen Schranken, die sich die Filmkritik auferlegen soll, hier noch einmal durchbrochen werden. Also -- das Filmmanuskript, wie es ursprünglich verfaßt wurde . . . und möglicherweise nie zur Ausführung gelangte. Ja, meine Herren, was geht die Kritiker denn das Manuskript an, das Sie für Ihren Hausgebrauch herstellten? Was kümmert sich das Publikum, von dem der Kritiker nur ein kleiner, bescheidener Teil ist, denn um das, was nicht geworden ist? Sie stehen auf dem Programm, Ihre Namen ziehren die Vorblätter des Films, also sind Sie verantwortlich für das, was Sie decken! Von Ihrem besseren Manuskript, und wenn es fünfzig Kritiker lesen, haben doch die zwanzig Millionen Kinobesucher Deutschland nichts! Setzen Sie es doch durch, -- einmal mehr sei es gesagt, daß auch Ihr geistiges Eigentum ungeschmälert bleibe, wenn Sie Ihren guten Namen hergeben. Sie haben es bisher nicht getan, mithin gilt noch heute das, was Willy Haas Ihnen am 16. März vorwarf. Schaffen Sie sich die Tradition, die beim Theater existiert, und die Kritik wird damit das Ziel erreicht haben, um das sie mehr kämpft, als Sie mit Ihren nachträglichen Klagebriefen. Streiten Sie eher mit sich selber -- als mit der Kritik, die doch eigentlich auf Ihrer Seite steht!

Film-Kurier (Berlin) vol. 3, no. 213, 13 Sep 1921.



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LITERATURE



Published Writings by Hans Janowitz
Unpublished scripts by Hans Janowitz in the archives of the Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin
More unpublished scripts

Scripts and letters from Janowitz' estate, saved from destruction by Gero Gandert in New York, can be found in the Janowitz collection in the Stiftung Deutsche Kinemathek (Berlin). Rolf Riess researched further letters by Janowitz in various literary archives, e.g. Brenner-Archiv (Innsbruck), Deutsches Literaturarchiv/Schiller-Nationalmuseum (Marbach am Neckar) and University of Pennsylvania, Alma Mahler-Werfel papers.

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Last update (this page): 21 Jul 2004.

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